Garmin dezl LGV700 MT-D – Der Trucker Traum

Wirklich gut und sinnvoll für den Berufskraftfahrer

Um nochmal einen meiner diversen Führerscheine zu nutzen, die ich im Laufe meines mobilen Lebens erworben habe, habe ich das Garmin dezl LGV700 MT-D spontan in einem Reisebus getestet.

Auf Grund des kürzlichen Hacker Angriffs auf die Garmin Server gab es ein paar anfängliche Schwierigkeiten ein Garmin Konto zu erstellen und Geräte- sowie Karten Updates durchzuführen. Nach ein paar Tagen hatte die Garmin IT das Problem wohl im Griff und es konnte wieder wie gewohnt auf die Services von Garmin zugegriffen werden.

Das Geräte- und Kartenupdate war schnell gemacht und es konnte auch schon losgehen mit dem Abenteuer.

Benutzeroberfläche

Garmin typisch ist die Oberfläche logisch aufgebaut und (fast) intuitiv bedienbar. Alle Einstellungen können lokal am Gerät durchgeführt werden. Ein Smartphone ist nicht zwingend erforderlich.

Größere Software Bugs konnte ich nicht feststellen – nur die Geschwindigkeit und Reaktionsfreude des HMI lässt ein wenig zu wünschen übrig. Das ist aber kein großes Problem und man gewöhnt sich schnell an die ein oder andere Millisekunde Latenz nachdem man eine Schaltfläche angetippt hat.

Was ich ein bisschen Schade finde ist die fehlende Möglichkeit das Gerät hochkant zu betreiben. Das ist der 8 und 10 Zoll Variante vorbehalten. Dieses Feature hätte ich bei dem 7 Zoll Gerät auch gerne gesehen. Man sieht einfach viel mehr von der Route und ist nochmal flexibler was die Positionierung im Führerhaus angeht.

Auf die reichhaltigen Features wie DAB+, BT Freisprecheinrichtung und die ganzen anderen Möglichkeiten, die die Anbindung eines Smartphones an das Garmin mit sich bringt, gehe ich mal nicht näher ein. Das ist im Prinzip bei allen neuen Navis ähnlich gut oder schlecht gelöst. Garmin macht es ganz gut muss ich sagen. 🙂

Navigation

Das wohl wichtigste Leistungsmerkmal dieses Gerätes ist natürlich die Routenführung und -berechnung sowie die dynamische Reaktion auf ungeplante Manöver. Im Zweifel bedeutet eine gute Routenführung bares Geld für den Unternehmer und sorgt für glückliche und entspannte Fahrgäste im Reisebus.

Das alles beherrscht das Gerät perfekt – egal ob im PKW oder LKW.

Das Kartenmaterial stammt von HERE und ist europaweit erstklassig aktuell. Nicht umsonst finden diese Kartendaten auch im PKW Bereich bei den meisten Premium OEMs Anwendung.

Die Neuberechnung beim Abweichen von der ursprünglichen Route ist flott und akkurat und findet völlig unaufgeregt statt.

Besonders gut ist natürlich, dass das Navi ausdrücklich ein Navigationssystem für Nutzfahrzeuge ist. Entsprechend hat man die Möglichkeit individuell sämtliche Fahrzeugdimensionen wie Höhe, Breite, Länge, Gesamtgewicht und sogar mögliches Gefahrengut in die Routenberechnung mit einfließen zu lassen. Und das funktioniert tatsächlich großartig und jeder Parameter wird berücksichtigt.

Fahrzeugdimensionen können individuell eingegeben werden

ABER anscheinen haben die Leute bei Garmin die Reisebusse vergessen!

Es lässt sich zwar auswählen, dass man mit einem Bus unterwegs ist, aber das Gerät geht dann von einem Linienbus aus. Das hört sich erstmal trivial an – aber Reisebusse dürfen auf Autobahnen in Deutschland 100 km/h fahren und Linienbusse nur 80 km/h. Entsprechend wirkt sich diese Ungenauigkeit auf die vorhergesagte Reisezeit aus und – viel wichtiger – es gibt ab 80 km/h eine immer wiederkehrende Geschwindigkeitswarnung die auf Dauer nervig werden kann. Der Workaround hier ist einfach die Warnung ausserhalb geschlossener Ortschaften zu deaktivieren. Das macht dieses wirklich nette Feature natürlich quasi nutzlos und unterstützt den Reisebusfahrer beim Führerscheinerhalt nur noch innerhalb geschlossener Ortschaften. Hier kann Garmin gerne nachbessern!

Hardware

Das Gerät ist wirklich gut und robust verarbeitet. Hier merkt man den angedachten Einsatzzweck im unter Umständen rauen Berufsalltag. Das Teil muss einfach funktionieren und das zuverlässig und möglichst lange. Apropos „lange“ – Das ist ein Begriff den der Akku leider nicht kennt. Nach 2, maximal 3 Stunden muss das Gerät wieder aufgeladen werden. Also: Ladekabel niemals vergessen!

Die Rückseite ist gummiert und bietet einen sicheren Halt sollte man das Gerät mal von einem LKW in den anderen transportieren.

Der Touchscreen geht auch völlig in Ordnung. Die Auflösung ist nicht überragend aber ausreichend und der Blickwinkel, in dem das Display farbecht bleibt, ist super. Die Helligkeitsregelung reagiert flott und findet eigentlich bei Tag, Nacht und Tunnelfahrt immer die optimale Helligkeit für eine gute Ablesbarkeit der Bildschirminhalte.

Philosophiefrage

Wo ich mir selbst noch nicht ganz sicher bin ist die Frage, ob ein kapazitiver Touch Screen (ein kurzes Berühren reicht) oder resistiver Touch Screen (es muss Druck auf den Bildschirm ausgeübt werden) im Fahrzeug besser/ sicherer/ sinnvoller ist. Fakt ist: Garmin setzt im gesamten Produkt Portfolio auf den aus heutigen Smartphones bekannten kapazitiven Touch Screen.

Ich denke manchmal, dass es besser wäre eine Funktion auf dem Gerät wird erst ausgeführt wenn man tatsächlich bewusst Druck auf die Schaltfläche ausübt. Das würde so manches versehentliche Klicken vermeiden. Aber das ist glaube ich eine fast schon philosophische Frage die jeder für sich selbst beantworten muss.

Zubehör und Befestigung

Sagen wir es so – das Zubehör und die mitgelieferten Befestigungsmöglichkeiten sind… überschaubar.

Ein nette Kleinigkeit ist übrigens noch die Möglichkeit eine Garmin Rückfahrkamera an dem Navi zu betreiben. Das kann sicherlich auch mal nützlich sein.

Viel ist nicht im Karton

Neben einem USB-Kabel zur Synchronisation mit dem PC oder Mac und einem Ladekabel für die 12V Steckdose liegt nur noch eine kleine Auswahl Klebe-, Schraub- und Saugnapfhalter dem Gerät bei. Und hier muss ich sagen erkennt man natürlich die Wurzeln von Garmin. Ein Saugnapfhalter ist vielleicht für einen gewöhnlichen PKW völlig ausreichen – in einem LKW oder Bus aber ist die Windschutzscheibe ungleich weiter vom Fahrer entfernt. Man muss sich in vielen Fahrzeugen tatsächlich abschnallen und aufstehen um die Scheibe erreichen zu können. Ein denkbar schlechter Platz für ein Touch Screen Gerät. Mit etwas Glück findet man einen Platz an der Seitenscheibe.

Ein großer Kritikpunkt ist die Befestigungsmöglichkeit im Führerhaus

Was ich mir hier wünschen würde wäre eine gute, schraub- und klebefreie Lösung um das Gerät an Lüftungsdüsen o.ä. befestigen zu können.

Fazit

Ganz klar gebe ich eine eindeutige Kaufempfehlung für diesen Trucker Traum.

Wenn ich auch eher zum 8 oder sogar 10 Zoll Gerät raten würde. Diese Geräte bringen  für einen kleinen Aufpreis einfach nochmal ein paar sinnvolle Zusatzfunktionen mit die den Trucker Alltag noch angenehmer gestallten können.

Hier nochmal die Links zu den Navis:
7 Zoll: Garmin dezl LGV700 MT-D
8 Zoll: Garmin dezl LGV800 MT-D
10 Zoll: Garmin dezl LGV1000 MT-D

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